Donnerstag, 19. März 2015

Toms Corner...Nostalgie pur!


Dorothee hat eingeladen – ihr Foodblog „bushcooks kitchen“ feiertGeburtstag und zu der anstehenden Party, bringe ich gerne ein Souvenir mit...


4. Geburtstags-Blog-Event - Souvenirs in der Küche

...und eine kleine Geschichte, an deren Ende auch ein wenig gekocht wird.
Es ist Freitag Abend gegen 20 Uhr.
Der kleine Junge liegt schon im Bett, aber er kann nicht einschlafen. Nicht die abendliche Sommerhitze macht es ihm schwer in den Schlaf zu finden, sondern es ist das Fieber !
Das Reisefieber !
Ganz früh am nächsten Morgen soll´s losgehen. Deshalb musste er so früh schlafen gehen ….“schlaf schon mal paar Stündchen vor“ hörte er seine Mutter sagen,
morgen um 4 Uhr geht es los!“
Es war noch dunkel.
Der weiße Ford Taunus war gepackt. Koffer und Taschen im Kofferraum verstaut, die Kühltasche, Bilderbücher und Kuscheltiere waren griffbereit, ebenfalls der Pullover, es könnte ja sein....ihr könnt Euch sicherlich erinnern.
Man startete in den anbrechenden Tag, kurz vor Frankfurt zeigten sich von Osten die ersten Sonnenstrahlen und der Ford nahm Kurs auf Basel, denn man reiste in die Schweiz.
Endlose Stunden sollte die Fahrt noch dauern. Klimaanlagen gab es damals noch keine, die Fenster durften nur im Stau geöffnet werden, da es sonst zog.....
Der Junge wurde damit vertröstet, dass es bald eine Abkühlung geben sollte, denn das nächste Ziel nach dem Basel passiert war, hieß San Gottardo ! Damals fuhr man noch nicht durch den endlosen, stickigen Tunnel, durch dessen Existenz man heute ca. eine ¾ Stunde Fahrtzeit „spart“, einem aber wunderschöne Impressionen des Passes entgehen!
Der weiße Ford erklomm bedächtig die Serpentinen des Passes.
Traditionell machte man bei Erreichen des Hospizes San Gottardo eine längere Pause. Nun gabs kleine Snacks, Erfrischungen und Abkühlung, denn nicht selten lag dort noch meterhoch Schnee.




In den Augen eines 4-5 jährigen eine sensationelle Erfahrung : Schnee im Hochsommer !
Nach ausgiebiger Stärkung und obligatorischen „ Autofahrer-Gymnastik-Übungen“, ging die Fahrt weiter.
Die Landschaft änderte sich nun – die grünen Heidiwiesen und Landschaften wichen nun schroffen Gebirgswelten, steinig, bizarr, aufregend !
Auch sprachen die Menschen nun nicht mehr dieses lustige Deutsch, welches so im Rachen kratzen musste, nein, man sprach jenseits des Gotthards italienisch, die Gasthäuser die wir passierten hießen Ristorante oder Albergo .
Wir waren bald am Ziel unserer Reise. Der Ford hielt an der uns wohlbekannten Adresse in Melide, ein kleiner Ort zwischen Lugano und Morcote.
Die Koffer waren noch nicht ausgepackt, da rannte der kleine Junge schon durch den Garten seines Onkels, um sich in die kühlenden Fluten des Lago di Lugano zu stürzen. Ein Haus am See ! ...mit eigenem Booststeg und Motorboot ! 



 
Dies erschien nicht nur dem kleinen Jungen paradiesisch.
Nach einem ausgiebigen Bad, bat man zu Tisch !
In Erinnerung habe ich noch den ausgezeichneten Salat, der stets als Vorspeise serviert wurde. Er schmeckte so viel besser als zu Hause und ich setze aber später durch, dass der Salat auch im hessischen stets vor der Hauptspeise serviert werden sollte und er schmeckte mir dann auch gleich viel besser !




Als Hauptgericht wurde ein fremdartiger, gelber Brei, der mal cremig sich über den Teller ergoss, mal aber etwas fester in Butter ausgebacken, der wunderbare Begleiter eines in Rotwein geschmorten Rinderbratens war.
Als Reminiszenz an diese wunderschöne Zeit, habe ich das Gericht Brasato al Merlot und eine Polenta, zur Geburtstagsparty mitgebracht.
Als Getränk wurde dem Jungen eine Zitronenlimonade in einem lustigen kleinen Krug serviert, aus dem man direkt trank. Dieser Krug nannte sich Boccalino, die Limonade hieß Gazzosa und die Erwachsenen erfrischten sich ebenfalls mit Gazzosa, der allerdings noch ein ordentlicher Schluck Merlot hin zugemischt wurde.
Dieser Boccalino, soll mein Souvenir für Dorothee sein. 


 
Ich habe 6 Stück davon und an heißen Sommertagen kommen diese Krüge noch heute auf meiner Terrasse zum Einsatz, auch heute mische ich noch Zitronenlimo mit Rotwein und wenn ich den Boccalino lange genug betrachte, höre ich entfernt die Schiffe über den Lago ihre Bahnen ziehen, sehe ich das Motorboot mit dem Namen BLITZ, welches ich als „kleiner Käptn“ über den See steuern durfte, erlebe ich erneut das Treiben der Souvenirhändler unter den Bögen Morcotes, deren Stände sich mit den Tischen und Stühlen der Ristorantes abwechselten.



Dann schweifen meine Gedanken zurück in die Zeit, die dem kleinen Jungen unbeschreiblich schöne Ferien und unvergessene Eindrücke bescherten und die den großen, mittlerweile etwas ergrauten Jungen noch immer ins Schwärmen für das wunderbare Tessin geraten lässt.
Noch heute ist für mich ein Aufenthalt in dieser paradiesischen Region, noch immer den Inbegriff von Urlaub und Ferien, der Brasato al Merlot mit Polenta ein absolutes Lieblingsessen und die Fahrt ÜBER den San Gottardo und nicht DURCH,auch heute noch ein Erlebnis!




Nun habe ich soviel erzählt vom kleinen Jungen, der mittlerweile groß und etwas älter geworden ist, dass mein Rezept des Gerichtes nicht mehr auf mein Skriptpapier passt.
Wenn Ihr wissen wollt, wie das schmecken muss, fahrt ins Tessin ! Wenn ihr meinen Onkel trefft, grüßt ihn von mir – er wird Euch zeigen. Dass es auch heute noch Boccalinos bei den Souvenirhändlern unter den Bögen Morcotes gibt ,
Arrivedervi in Ticino !

Kommentare:

  1. Wunderschön! Und bestimmt in Wirklichkeit genau so lecker wie in der Erinnerung. Und so süß, der Kleene :) Und je früher man die Schnabeltassen lieben lernt, desto besser :D
    Nein... irgendwie nicht der Moment für Scherze, einfach wunderschön und das hat mir ein seeeehr langes Lächeln ins Gesicht gezaubert und warm ums Herz gemacht:)

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  2. Geht mir noch heute so ! Das waren patadiesische Ferien, die ich damals auf diesem wunderbaren Fleckchen Erde verbringen durfte.

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  3. Lieber Tom, deine Geschichte ist wunderbar und macht so richtig Sehnsucht auf frisches, unverbrauchtes Verreise-Glück. Ich habe komplett andere "Souvenirs", denn gen Süden hat es uns seinerzeit nicht verschlagen. Aber beim Lesen deiner Erzählung war ich live dabei. So schade, dass sich diese "ersten Male" mit all ihrem Zauber so schwer wiederholen lassen ... aber wozu haben wir unsere Erinnerungen? Danke fürs Teilen!

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    1. Liebe Barbara, Dorothees Thema waren Souvenirs :) und die helfen , den Zauber der Erinnerung zu erhalten

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  4. Der kleine Thomas und die großen Abenteuer. Jeder sollte glücklich sein, wenn er Kindheitserinnerungen dieser Art hat. Ich habe ähnliche, von natürlich nicht so weiten Reisen, die mir aber ebenso vorkamen.

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    1. Nicht die Entfernung macht eine spannende Reise aus, sondern dass das Erlebte nachhaltig in Erinnerung bleibt :)

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  5. Wie schön!!!!! Deine Geschichte hat mich sehr gerührt. Ich wünschte, ich hätte ähnliche Erinnerungen aus meiner Kindheit. Leider ann ich mich aber nur an zwei Urlaube entsinnen, die zwar auch schön waren, aber die nicht so viele Emotionen bei mir heute entfachen. Wir fuhren halt nicht in den Urlaub...
    Danke fürs erzählen, lieber Tom

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  6. Hallo Tom,

    den Gastbeitrag hast Du wirklich heiter und lesenswert geschrieben. Ich habe noch nie was gehört von Gazzosa mit Merlot, kann ich mir jetzt gar nicht vorstellen, die Kombination. Muss ich im Sommer mal probieren. mit einem anderen Rotwein, da ich Merlot oft schlecht vertrage.

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    1. Aber Barbara ! Du kommst doch aus Bayern und kennst Radler, oder einen Russen :) tausche einfach das Helle mit dem Merlot und der Sommer kann starten :)

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  7. Lieber Tom,
    vielen Dank für diese bezaubernde Geschichte und ich freue mich ganz besonders, dass Du dabei bist.

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  8. eine wundervolle Geschichte über diese wundervolle Region - ich bin gerade soooo was von gerührt

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    1. ...und das schöne ist, dass man trotz aller Veränderungen die auch vor dem Tessin nicht Halt machten, man auch heute noch viele Dinge wieder entdeckt, die offensichtlich unveränderbar sind :)

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  9. Eine ganz süße Kindheitsgeschichte... wunderbar erzählt und bebildert...
    Liebe Grüße, Kebo

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    1. liebe Kebo, es freut mich, wenn du beim Lesen den gleichen Spaß gehabt hast, wie ich beim Schreiben.

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